Mein Name ist Susanne Diercks, ich komme aus Hohnstorf und kam 1965 auf die Welt. Meine 2 Brüder Uwe und Torsten und ich sind auf einem Bauernhof in Hohnstorf aufgewachsen, der, als ich 2 Jahre alt war, abgebrannt ist. Ich kann aufgrund meiner Behinderung nicht so gut lesen und schreiben. Mit 6 Jahren kam dann noch dazu, dass ich eine Augen-OP bekam und mir auch noch den Arm gebrochen habe. Das alles hatte sich auf meine schulischen Leistungen ausgewirkt. Ich ging bis zur 3. Klasse auf die Hohnstorfer Grundschule. Ab der 4. Klasse kam ich auf die Sonderschule in Bleckede, wo ich auch noch einen Klassenlehrer hatte, mit dem ich nicht gut zurechtkam. Außerdem wurde ich wegen meiner Lese- und Schreibprobleme und meiner Brille gehänselt. Mit 14 Jahren wurde ich konfirmiert und war etwas aktiver in der Kirche tätig, aber wie das so ist, wurde auf dem Dorf viel getratscht und geredet über mich, was ich auch mitbekommen habe. Das war keine schöne Zeit, aber ich habe es durchgehalten. Nachdem ich meinen Abschluss auf der Sonderschule bekommen hatte, kam ich nach Lüneburg zur Lebenshilfe. Hier habe ich unterschiedliche Aufgaben übernommen und immer da mit angepackt, wo ich gebraucht wurde. Ich habe mich auch stark dafür eingesetzt, dass der Essensplan in der Kantine bebildert wird, so dass es für alle Beteiligten leichter war, zu sehen, was es täglich zu essen gab. Da bin ich heute noch stolz drauf.

Der Bauernhof meiner Eltern wurde übrigens wieder aufgebaut und seitdem wohne ich auch in Hohnstorf. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Wir hatten damals viele Tiere, Schweine und Rinder, die wir selbst geschlachtet haben. Die ganze Familie hat mitgeholfen. Sogar ein Pferd habe ich damals bekommen. Da fange ich heute noch an zu strahlen, wenn ich daran zurückdenke. Mittlerweile wohnt mein Bruder Torsten mit seiner Familie in Hittfeld. Uwe und seine Familie wohnen nach wie vor im umgebauten Bauernhof, wo auch meine Wohnung ist. Es gibt jetzt mehrere Wohnungen, die vermietet sind. Mit den Leuten, die bei uns wohnen, verstehe ich mich sehr gut und wenn ich Unterstützung benötige, dann ist immer jemand für mich da. Mein Vater ist leider während der Pandemie an Corona verstorben und so hat mein Bruder Uwe die Vormundschaft für mich übernommen.

Er hat sich eh schon immer um meine Angelegenheiten gekümmert und alles übernommen, was bei mir an Schreibkram anfiel. Dadurch, dass mein Bruder mich bei allem unterstützt, benötige ich keine gesetzliche oder andere Betreuung. Das ist nicht selbstverständlich und dafür werde ich ihm für immer dankbar sein. 1994 wurde ich an die VHS vermittelt und belege seitdem regelmäßig Kurse. Ich habe einen Behindertenausweis und fahre selbstständig nach Lüneburg und auch wieder zurück nach Hohnstorf. Die Kurse bereiten mir große Freude und ich habe mich jetzt sogar für einen Grundkurs Rechnen angemeldet. Ich mag es, immer wieder neue Herausforderungen anzugehen. Mein liebstes Hobby sind aber Kreuzworträtsel. Damit kann ich Stunden verbringen. Und wenn ich mal eine Pause brauche, gehe ich gerne spazieren oder besuche das „Melkhus Café“, wo ich mir dann einen Kakao oder eine Eisschokolade als Belohnung kaufe. Aber worauf ich am meisten stolz bin, ist, dass ich im Kindergarten in Hohnstorf arbeiten darf. Die Arbeit mit den Kindern und den anderen Erzieher*innen erfüllt mich. Außerdem macht es mich glücklich, dass ein „nicht gesunder“ Mensch, wie leider immer wieder gesagt wird, der nicht lesen und schreiben kann, dort arbeiten kann. Danke.